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Digitaldruck und Veredelung

06.04.2011

In den letzten Jahren hat sich der Digitaldruck für den Akzidenzbereich immer weiter durchgesetzt. Der klare Vorteil der Individualisierung machte bislang aber oftmals vor der Veredelung halt. Tatsächlich ist sowohl die Individualisierung als auch die Veredelung für die heutige Kommunikation erfolgsentscheidend. Und so behalf sich die Branche mit Offsetvordrucken, die in einem zweiten Schritt personalisiert wurden.

Mittlerweile gibt es aber auch für den Digitaldruck Lösungen, die inline appliziert werden können. Das eröffnet die Potenziale einer „dynamischen Veredelung“. Es wird nicht nur der Inhalt, sondern auch die Gestaltung individualisiert. Dazu gehört vor allem die korrekte Datenanlage.

Glanz und Mattlackierung
Die gängigste Veredelungsvariante im Digitaldruck sind sogenannte Glosstoner, mit denen sich nicht nur Glanz-, sondern auch Matt-/Glanz-Effekte erzeugen lassen, die in ihrer Wirkung eine Spotlackierung simulieren. Um dabei den größtmöglichen taktilen Effekt zu erreichen, ist es wichtig, möglichst wenig Lack aufzutragen. Werden nur etwa 5 bis 15 % der Fläche lackiert, heben sich die lackierten Flächen optisch wie haptisch deutlich von den unveredelten oder matt lackierten Bereichen ab. Allerdings ist dazu in vielen Fällen auch eine Nearline-Glosserunit notwendig, die den speziellen Toner in den Bedruckstoff einbrennt.

Mit einer transparenten Farbe wie sie zum Beispiel HP für die Indigo anbietet, können dagegen interessante Glanz-/Matteffekte auch inline erzeugt werden. Hiermit können bei einem glänzenden Druck einzelne Bereich partiell matt hervorgehoben oder aber auch abgeschwächt werden, so dass das Glänzende deutlicher heraustritt. Mit Matt- und Glanzeffekten lässt sich also auch im Digitaldruck sehr effektiv spielen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und gezielt zu lenken.

Mit Transparenttoner zur Glanzveredelung, die über ein fünftes Farbwerk, zum Beispiel bei der imagePRESS von Canon oder der Xerox 800 / 1000 Colour Press, aufgetragen werden können, lassen sich neben Lackeffekten auch unechte Wasserzeichen direkt im Druckvorgang erzeugen. Das bedeutet, dass der transparente Toner auf weiße Flächen aufgebracht wird. Dadurch entsteht ein latentes Bild, das einem Wasserzeichen sehr ähnlich ist. Diese Veredelungsvariante wird vor allem als Sicherheitsmerkmal verwendet; zumal es zurzeit nicht wirklich viele Dienstleister gibt, die dies reproduzieren können.

Bei Transparenttoner unterscheiden sich grundsätzlich vier Hauptanwendungen:

  • Spot-Effekte: Es wird nur in speziellen Bereichen veredelt. Spot-Lackierungen dienen als Eyecatcher und lenken so die Aufmerksamkeit gezielt auf bestimmte Punkte, welche die gewünschte Aussage unterstreichen. Ebenso können zusätzliche visuelle Reize gegeben werden, die interessante Texturen der Oberfläche unterstreichen oder ihnen einen anderen, glänzenderen Look verleihen. Schließlich können bestimmte Farben mit einer Spotlackierung vertieft und intensiviert werden.
  • Flächenkaschierung: Wird Transparenttoner vollflächig aufgetragen, entsteht ein gleichmäßiger Perlmuttglanz. Zusätzlich dient dies auch dem Schutz der Oberfläche, da eine festere Schicht erzeugt wird.
  • Metallic- oder Perlglanzeffekte: Mit Transparenttoner kann über einem hellen CMYK-Halbton Glanz gelegt werden, der einen realistischen metallischen Schimmer erzeugt.
  • Wasserzeichen: Wird Transparenttoner auf weiße Flächen gedruckt, entsteht ein latentes Bild, das nicht kopiert und nur von wenigen Dienstleistern simuliert werden kann.

3D-Effekte
Mit einem speziellen transparenten Toner, der als erhabene Schicht auf dem Bedruckstoff liegen bleibt, lässt sich darüber hinaus eine Oberflächenveredelung erzielen, die weit über die taktilen Eigenschaften einer Lackierung hinausgeht. Mit Dimensional Printing eröffnet die Kodak NexPress die Möglichkeit eines 3D-Drucks. Über das fünfte Druckwerk wird dazu der spezielle, sehr feine Transparenttoner aufgetragen. Nach der Fixierung entsteht daraus eine klare Schicht in unterschiedlichen Schichtdicken. So lassen sich Bildbestandteile, wie zum Beispiel Rasenflächen, partiell erhöhen und werden somit auch ertastbar. Das ist besonders interessant bei Oberflächen, die nicht glatt sind, sondern über bestimmte Strukturen verfügen – man denke nur an die Haut einer Orange oder die Schuppen eines Fischs. Damit lassen sich aber auch einzelne Bereiche gezielt hervorheben wie etwa variable Textpassagen oder Bildbestandteile.

Wie man die Effekte dann letztendlich im Grafikprogramm tatsächlich anlegt, hängt von der gewünschten Struktur ab. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, Bildelemente zu invertieren und unterschiedliche Strukturen drüber zu legen. Filter bieten sich an, wenn es um eine komplette Struktur geht, wie etwa bei einem Blattmotiv oder eben der Orangenschale. Sollen lediglich einzelne Elemente hervorgehoben werden, lassen sich die Strukturen am besten mit dem Pinselwerkzeug manuell erzeugen. Je härter die Kontur des Pinsels ist, desto detaillierter ist später die Struktur.

Entscheidend für die Wirkung ist aber auch die gewählte Schichtdicke. Dasselbe Motiv bzw. dieselbe Struktur kann in einer anderen Variation sehr unterschiedlich aussehen. Die maximale Schichtdicke beträgt 28 Mikron. Das ist immerhin so gering, dass es kaum messtechnische Auswirkungen zeigt. Von daher ist es vorteilhaft, dass der Bedruckstoff eine sehr ebene, glatte Oberfläche aufweist. Empfohlen wird glänzend gestrichenes oder matt gestrichenes Papier. Bei Naturpapieren bleibt der Toner nicht auf der Papieroberfläche, sondern dringt in das Material ein, sodass natürlich auch der 3D-Effekt verloren geht.

Veredelungsfarbe Weiß
Auch Weiß lässt sich als Veredelungsfarbe nutzen. Als erster Hersteller hat HP mit der HP Electro Ink White eine weiße Farbe für digitale Bogendrucksysteme auf den Markt gebracht. Dabei handelt es sich allerdings weniger um eine Veredelung im herkömmlichen Sinn als vielmehr um die Option, durch ungewöhnliche Bedruckstoffe wie transparente Papiere oder metallische Materialien Veredelungseffekte zu erzielen. Sie kann zum einen als Flächenfarbe verwendet werden, um den Untergrund etwa bei einem farbigen Karton vorzubereiten, auf dem sich ansonsten kein hochwertiger Farbdruck erzeugen lassen könnte. Mit dem Deckweiß erscheinen die Farben natürlicher und treten leuchtender hervor. Zum anderen kann man die weiße Farbe als grafisches Element verwenden, um beispielsweise auf Goldfolien weiße Ornamente oder Muster zu drucken. Insofern wirkt das Weiß in der Verbindung mit ungewöhnlichen Bedruckstoffen, die in den üblichen Druckerzeugnissen ansonsten nicht verwendet würden. Mit HP Electro Ink White können auch feinste durchgefärbte Papiere bedruckt werden. Auch hier kommt dann wieder Haptik ins Spiel, da spezielle Bedruckstoffe oft auch spezielle Oberflächenstrukturen aufweisen.

Fluoreszenz
Kodak bietet für die NexPress zusätzlich auch einen fluoreszierenden Toner an. Dieser Toner bleibt auf der Bildoberfläche unsichtbar. Wird er jedoch mit ultraviolettem Licht angestrahlt, erscheint er rot. Die Intensität des Rots wird über die Tonermenge gesteuert. Der Toner eignet sich vor allem für Anwendungen aus dem Bereich des Sicherheitsdrucks, da die fluoreszierenden Bilder bzw. Sicherheitsmerkmale nur schwer zu kopieren sind und zudem noch als variable Daten individuelle Informationen enthalten können. Unter anderem kann der Toner beispielsweise auch genutzt werden, um nicht-reproduzierbare, personalisierte Barcodes aufzudrucken, die nur mit speziellen Lesegeräten gelesen werde können. Dazu arbeitet Kodak mit Kodak InData Systems zusammen.

Wirkung
Durch sämtliche vorgestellten Veredelungen lässt sich die die Attraktivität eines Printprodukts deutlich steigern und somit eine höhere Aufmerksamkeit für die Inhalte erzielen. Dabei sollte jedoch nie der Kundennutzen bzw. das Mehrwertversprechen aus den Augen verloren werden. Veredelungen passen nicht prinzipiell zu allen Kundengruppen. Außerdem ist und bleibt beim Digitaldruck das entscheidende Kriterium stets die Individualisierung. Das heißt, dass auch die Veredelung an die jeweilige Individualisierung mit einer gezielten Unterstützung des Designs angepasst sein sollte.

 
 

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